What is it about?

Als vor 20 Jahren der Sammelband »Sprachgeschichte als Kulturgeschichte« herausgegeben wurde (Gardt/Haß-Zumkehr/Roelcke 1999), konnte die deutschsprachige Sprachgeschichte zwar bereits sozialhistorische Bezugnahmen aufweisen (vgl. z.B. Reichmann 19851, von Polenz 1994, Hermanns 1995, Linke 1996), für eine Kulturalisierung der Sprachgeschichte wurde mit dem Band damals jedoch Programmatisches geleistet und befestigt, auch wenn dies heute nicht mehr im wissenschaftlichen Selbst-Bewusstsein der germanistischen Linguistik besonders prominent hervortritt. Letzteres dürfte erstens einer Art disziplinärem Versickerungsprozess geschuldet sein – der Grundgedanke, Sprachgeschichte als Kulturgeschichte (und nicht nur als Komplement) zu betreiben, ist mittlerweile weitgehend etabliert – und zweitens der Tatsache, dass sich das Spektrum sowie das Erkenntnisinteresse der Bezugswissenschaften seit 1999 rasant erweitert hat (dazu rezent Linke 2018; Czachur 2018; Schröter/Tienken/Ilg 2019). Die im Titel der Einleitung angekündigte Revision von Sprachgeschichte als Kulturgeschichte im Sinne einer ›nochmaligen Sichtung‹ oder ›Prüfung auf Verwertbarkeit‹ gilt daher nur sekundär dem namensverwandten Sammelband, um einer fachinternen Vergesslichkeit entgegenzuwirken2, sie gilt vor allem der Herausbildung einer kulturanalytischen bzw. kulturbezogenen Sprachgeschichte, wie sie hauptsächlich in den vergangenen beiden Jahrzehnten stattgefunden hat. Dazu werden wir zunächst auf Kultur als sprachwissenschaftliches bzw. sprachhistorisches Untersuchungsfeld eingehen, um danach ausgewählte inner- und transdisziplinäre Bezüge darzulegen und abschließend einige Potentiale sowie Herausforderungen kulturgeschichtlichsprachgeschichtlicher Untersuchungen aufzuzeigen. Die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Aspekten einer linguistisch akzentuierten Kulturgeschichte setzt sich in den Einzelbeiträgen fort.

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This page is a summary of: Editorial: Sprachgeschichte als Kulturgeschichte – revisited, Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik, June 2019, Springer Science + Business Media,
DOI: 10.1007/s41244-019-00132-4.
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